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Grüner Modehandel: Holzweg, Trampelpfad oder Fahrradweg?

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Der grüne Modehandel wächst. Innerhalb nur eines Jahres sind zahlreiche neue Konzepte entstanden. Eco Fashion auf dem Holzweg? Wohl kaum!

„Ein Rekordjahr!“ – der Modeeinzelhandel verzeichnet kräftige Zuwächse. Das zumindest besagen die Zahlen der Fachzeitschrift Textilwirtschaft. Demnach ist der Umsatz im deutschen Textileinzelhandel im Jahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 3% gestiegen. Auch in diesem Jahr geht die Kurve nach oben.

Und wie steht es um den deutschen Einzelhandel mit Eco Fashion? Mit Umsatzstatistiken kann das Nischen-Segment leider noch nicht aufwarten. Dennoch lassen sich eindeutige Tendenzen feststellen. Reden Kritiker das Thema nach wie vor gerne tot – „Das war doch nur so eine Welle in den Medien“, oder „Der Trend ist genauso schnell wieder vorbei, wie er gekommen ist“, – so kann man nicht leugnen, dass der Markt von Saison zu Saison wächst. Nicht nur seitens der vielen Jungdesigner-Labels, die sich der Eco und Fair Fashion verschreiben, sondern auch auf der Seite des Einzelhandels.

Filialisten verstärken ihr Engagement

Dass H&M die neue Conscious Collection in die Läden gebracht hat, wird wohl auch denjenigen aufgefallen sein, die weniger für das Thema Eco Fashion sensibilisiert sind. Sommerliche Kleider, romantische Blusen, Tuniken, Röcke und Tops in unschuldigem Weiß zieren seit dem 14. April die Schaufenster des schwedischen Filialisten. Zum Einsatz kommen Materialien wie Bio-Baumwolle, Tencel und recyceltes Polyester. Das Engagement wird sukzessive verstärkt, so soll beispielsweise der Bio-Baumwollanteil jährlich verdoppelt werden. Auch C&A schreitet zielstrebig voran. Die Düsseldorfer haben ihre Position als weltweit größter Bio-Baumwoll-Produzent verteidigt und weiten das Angebot kontinuierlich aus. Derzeit liegt der Anteil von Bio-Baumwolle am gesamten Baumwoll-Sortiment bei 10%.

Concept-Stores: Wegbereiter mit Herzblut

Soviel zu den jüngsten Entwicklungen im Bereich der Filialisten. Und was tut sich in der Welt der grünen Concept-Stores und Fachgeschäfte? So einiges! Innerhalb nur eines Jahres sind in Deutschland viele neue Konzepte ins Leben gerufen worden: Im Sommer 2010 ist FairBleiben in Dortmund gestartet, es folgte Grünstoff Ecouture in Leipzig. In Münster gibt es neben Grüne Wiese von Lars Wittenbrink seit September 2010 nun auch den neuen Store Frau Többen von Andrea Többen. Ebenfalls im September hat Christoph Dahn mit Good True Beautiful in Freiburg neben Agentur und Online-Shop einen Laden eröffnet. Die dritte Neueröffnung in diesem Monat war De La Reh in Berlin-Charlottenburg. Mit Marken wie Beyond Skin, Mandala, Kuyichi, Julia Starp, Bllack Noir, TheBaand, Mat & Nat und Kvast wird der neue Concept Store for green living in der Branche gut besprochen und genauestens beäugt. Seit November gibt es in Berlin außerdem den Eco Showroom, von Kati Drescher und Nine Valencic, die ihre Agentur sieben&siebzig aufgrund der großen Nachfrage nun auch um einen Shop erweitert haben. Einer der ersten Berliner Concept-Stores, der grüne Mode als Gesamtkonzept in die deutsche Hauptstadt gebracht hat, war übrigens Wertvoll.

Berlin zeigt aber auch, dass es eine Kehrseite der Medaille gibt. Denn nicht alle Eco Fashion-Konzepte sind zwangsläufig erfolgreich. So mussten die Läden Every Day Like Sunday und Grünwest nach mehr oder weniger kurzem Gastspiel wieder schließen. Auf den Gesamtmarkt bezogen lässt sich aber sicher sagen, dass die Zahl der Positivbeispiele derzeit deutlich größer ist, als der negativen.

Neues aus der Welt des www

Apropos Positivbeispiele. Nimmt man den Eco Fashion Einzelhandel in Deutschland unter die Lupe, dann darf Bernd Hausmann natürlich nicht fehlen. Mit Glore ist er wohl einer der bekanntesten Einzelhändler der deutschen Szene. Im Juni vergangenen Jahres ging er mit Store Nummer 3 in Hamburg an den Start. In wenigen Wochen folgt nun sein vierter Laden in Stuttgart.

Auch in der Welt des www ist Eco Fashion fest verankert. Mit Fair Queen ist im November ein vielversprechendes neues Konzept entstanden. www.fair-queen.de ist der erste Multilabel-Online-Store für Business-Bekleidung. Das erklärte Ziel lautet „modebewusste Business Frauen rundum mit qualitativ hochwertiger, stilsicherer Eco Fashion auszustatten.“ Das Sortiment setzt sich zusammen aus Labels wie Queen and Princess, Studio Jux, Sey, Komodo, Magdalena Schaffrin und nicht zuletzt Julia Starp.

Erste Schritte im konventionellen Modehandel

Während der Markt der spezialisierten Eco Stores und Online Shops langsam aber beständig wächst, tun sich konventionelle Einzelhändler in Deutschland häufig noch schwer. Gerade seitens der größeren Modehäuser gibt es wenige Unternehmer, die dem grünen Fashion Business eine Plattform bieten. Einzelne Tests laufen, so hat Breuninger in Stuttgart beispielsweise eine Rückwand für das dänische Aufsteigerlabel Knowledge Cotton Apparel frei gemacht. Strategische Ansätze hingegen sind spärlich gesät. So kann sich Hempel in Wolfsburg in seiner Größenordnung als Pionier bezeichnen. Anfang April ist das Modehaus mit dem neuen Konzept „Style+“ gestartet. Auf 2800 m2 werden neben dem konventionellen Modeangebot nun auch Eco Fashion Labels integriert und mit dem „Style+“-Label separat gekennzeichnet und herausgestellt. Dazu zählen Labels wie Alchemist, Inka Koffke, Portocolonia, Kuyichi, Nudie, Knowledge Cotton Apparel, Marc O’Polo Modern Organic Product, Mandala, Bllack Noir und Meyer. „Wir beschäftigen uns schon seit vielen Jahren mit dem Thema Nachhaltigkeit und haben lange überlegt, wie wir das Thema bei Hempel verankern und einen Beitrag zum nachhaltigen Konsum leisten können. Mit Style+ machen wir nun einen Anfang“, sagte Inhaber Fritz Hempel bei der Premiere. „Wir sind weit davon entfernt, ein konsequent nach nachhaltigen Prinzipien aufgebautes Unternehmen zu führen, sehen aber noch sehr viel Entwicklungspotenzial“, ergänzt Dr. Annette Hempel.

Entwicklungspotenzial ist wohl das richtige Stichwort. Auch vermeintlich Etablierte wie Bernd Hausmann von Glore sehen sich erst am Anfang. Der Eco Fashion-Einzelhandel ist noch längst nicht aus dem Stadium der Nische herausgekommen. Und insbesondere, was die kommerziellen Strukturen betrifft, muss noch viel Aufbauarbeit geleistet werden. Die Pioniere ebnen den Weg. Ein kleiner Trampelpfad führt bereits durchs Dickicht. Mal sehen wann ein Fahrradweg daraus wird.

Jana Kern

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